Dynamisches Remarketing mit Google Ads

In diesem Tutorial möchte ich dir zeigen, wie du in wenigen Schritten das dynamische Remarketing für deine Google Ads Anzeigen – speziell das Remarketing über das Google Displaynetzwerk – aufbauen kannst.

Dynamisches Remarketing ist ein starkes Tool um Webseitenbesucher ohne Kaufabschluss wieder zurück auf deinen Shop zu lenken. Bei den meisten Shops ist diese Art von Anzeigen die profitabelste, denn sie spricht Besucher an, die bereits extrem nah an einer Kaufentscheidung sind. Besonders empfehlenswert ist auch die Verwendung der dynamischen Produktanzeigen über Facebook (DPA – Dynamic Product Ads).

dynamische remarketing

Warum ist dynamisches Remarketing so effektiv?

Es ist momentan eine der wenigen Möglichkeiten, um Webseitenbesucher personalisiert wieder anzusprechen. Sprich, wenn Webseitenbesucher auf Eurem Shop waren und sich dort einige Produkte angeschaut haben, könnt ihr diese angeschauten Produkte mittels dynamischem Remarketing an die jeweiligen Nutzer wieder ausspielen. Der Vorteil ist, dass es extrem persönlich ist und du nicht viel mehr kommunizieren musst, da der User eure Marke und eure Produkte kennt und ihm/ihr nur noch wenige Dinge fehlen, um den Kaufvorgang abzuschließen. Was das im speziellen ist, müsst ihr natürlich testen. Warum es zum Kaufabbruch gekommen ist, ist natürlich schwer zu ermitteln: Der Postbote hat geklingelt, das Kind geweint, der Hund musste raus, dein Produkt war in dem Moment zu teuer, man musste aus der Bahn aussteigen…Das muss alles sorgfältig getestet werden. Dafür ist das dynamische Remarketing natürlich wie gemacht!

Wie funktioniert das dynamische Remarketing?

Sobald ein User die Cookies auf deiner Webseite akzeptiert hat, wird in seiner Session sein Webseiten-Verlauf gespeichert. Jede Seite hat bestimmte Daten, die man verwenden kann: So ist z.B. auf einer Produktseite die Produkt ID oder der Preis für die weitere Verarbeitung von sehr großer Relevanz.

Beispiel: Geht nun ein Besucher auf eine Produktseite wird die jeweilige Produkt ID mit seiner Session in Verbindung gebracht. Es kommt also zu einer Art individueller Liste pro Cookie (Nutzer). Diese Liste kann man dem User dann auf unterschiedlichen Seiten durch das dynamische Retargeting wieder ausgeben.

Im Idealfall wird der User durch so eine Art von Anzeige wieder auf euren Shop aufmerksam gemacht und fährt mit seinem Einkauf fort.

Die Grundvoraussetzungen:

Bevor wir uns zu sehr im Detail verlieren, hier einmal die Grundvoraussetzung, die du beherrschen solltest, um dynamisches Remarketing für deinen Shop einzurichten:

Hinweis: Es gibt nicht nur diese eine Möglichkeit! Es ist jedoch für mich persönlich das Einfachste als “Nicht-ITler” gewesen!

1. Google Ads ist eingerichtet (hier)

Wichtig ist, dass du bereits einen Google Ads Account hast, um Werbung zu schalten. Falls du das nicht hast, empfehle ich dir einen Google Ads Account einzurichten. Es gibt unterschiedliche Kampagnenarten, aus denen du auswählen kannst. Eine davon wäre das Displaynetzwerk, um mit dynamischem Retargeting zu starten.

2. Google Remarketing ist eingerichtet (hier)

Sobald du deinen Google Ads Account eingerichtet hast, ist es dringend zu empfehlen, das Google Remarketing Tag einzurichten. Damit wird sichergestellt, dass das Tracking überhaupt stattfindet. Denn nur wer getrackt wird, kommt überhaupt für ein Remarketing in Frage. Dazu siehe auch den vierten Punkt “Google Tag Manager ist eingerichtet”.

3. Google Shopping Feed übers Merchant Center ist angelegt (hier)

Zusätzlich solltest du einen Google Shopping Feed angelegt haben. Dieser Datenfeed ist die Grundvoraussetzung für E-Commerce Shopbesitzer, die über Google Ads Werbung schalten. Wie du deinen Datenfeed mittels WordPress/WooCommerce erzeugst, findest du hier.

Der Datenfeed führt übrigens dazu, dass Google die richtigen Produkte im dynamischen Remarketing ausspielen kann. Im Datenfeed ist die Produkt ID enthalten, welche Voraussetzung für das individuelle Ausspielen ist. Es gibt mehrere Möglichkeiten einen Shopping Feed anzulegen. Ich nutze dafür ein Plugin, es geht aber auch mit einer einfachen Excel Liste und den wichtigsten Attributen.

4. Google Tag Manager ist eingerichtet (hier)

Natürlich sollte mittels Google Tag Manager (GTM) ein prinzipielles AdWords Conversion Tracking eingerichtet sein. Wenn du dies bereits kannst, dann ist die Einrichtung des Tags für das dynamische Remarketing in wenigen Klicks möglich.

Schritt 1: Remarketing Variablen aktivieren

Gehe in deinen WooCommerce Shop und stelle sicher, dass du die Remarketing Variablen auch in den Data Layer angestellt hast. Die Anleitung für das verwendete Plugin findest du im folgenden Artikel.

Nachdem du dieses Häkchen (siehe oben im Bild) angestellt hast, müsstest du folgende Daten in deinem Data Layer sehen:

Die Variable google_tag_params ist das, wonach wir suchen. Denn darüber haben wir die Möglichkeit auf die relevanten Remarketing-Daten (wie z.B. auf die Produkt ID) zuzugreifen.

Schritt 2: Google Tag Manager

Als nächstes ist es wichtig, eine neue Variable im Google Tag Manager aufzubauen. Die neue Variable wird genau die Variable sein, die wir im Schritt 1 durch das Aktivieren der Daten erhalten haben. Um die Variable anzulegen ist folgendes notwendig:

Gehe zu VARIABLEN > Erstelle dort eine neue eigene Datenschichtvariable und trage dort google_tag_params ein. Damit wird festgelegt, dass wir auf allen unter der Variable geparkten Daten arbeiten dürfen.

Nachdem du die Variable angelegt hast, gib der Variable einen leicht zu merkenden Namen (z.B. Remarketing Daten) und lege nun ein neues Remarketing Tag an.

Gehe dazu zu TAGS und auf NEU und erstelle ein GOOGLE REMARKETING TAG.

Trage deine Conversion ID ein (wenn du nicht genau weißt, wie das funktioniert – hier alles zum Einrichten von Conversions via Google Ads) und füge nun bei DATENSCHICHT VERWENDEN die neu erstellte Datenschichtvariable {{Remarketing Daten}} ein.

Tipp: Hier hilft es auch, wenn du einfach nur die geschweiften Klammern eingibst, denn Google wird dir dann die Auswahl an Variablen anzeigen, aus denen du wählen kannst.

So müsste es nun richtig aussehen:

Veröffentliche dann die neu eingestellten Tags & Variablen.

Testen nicht vergessen

Du kannst dies natürlich noch mal im Vorschau Modus testen. Schau dir dann jeweils erst einmal über eine generelle Seite an, was dein Data Layer liefert. Sind dort die google_tag_params überhaupt sichtbar? Falls ja, klicke dann anschließend auf eine Produktseite und schaue dir die Daten ebenfalls wieder an. Dort müsstest du jetzt neben dem Namen auch die produkt ID sehen.

Als nächstes klicke auf das neu angelegte Remarketing Tag und schaue dir dort die Daten des Tags an. Dort müsstest du folgendes finden:

Schritt 3: ecomm_prodid feuert Werte? Alles korrekt?

Wenn du alles richtig eingerichtet haben solltest, sollte dann innerhalb von 24h dies in deinem Google Ads Account unter ZIELGRUPPENVERWALTUNG > ZIELGRUPPENQUELLEN > GOOGLE ADS TAG sichtbar sein:

Achte darauf, dass Werte für folgende Variable gefunden werden: ecomm_prodid. Die Definition dieser Variable sagt:

Mithilfe des Parameters zur Produktnummer wird dem Nutzer in der dynamischen Anzeige genau das Produkt präsentiert, das er auf Ihrer Website angesehen hat.

Perfekt! Nun bist du nur noch wenige Schritte von deinem dynamischen Retargeting entfernt!

Schritt 4: Einstellungen in Google Ads

Lege nun eine Display Kampagne an, um mit dem dynamischen Retargeting zu starten. Wähle hier unbedingt deinen Datenfeed aus, denn nur damit kann überhaupt eine Ausspielung stattfinden.

Hinweis an alle Ungeduldigen: WARTET MINDESTENS 24h AB, BIS GOOGLE DIE DATEN ERFOLGREICH SYNCHRONISIERT HAT!

Allgemeine Tipps zur erfolgreichen Einstellung deiner ersten dynamischen Remarketing Kampagne:

Hier noch vier kleine Tipps, um einen guten Start mit deinen dynamischen Remarketing Kampagnen hinzubekommen.

1. Zielgruppenverwaltung & Gültigkeitsdauer:

Je nachdem wie viel Traffic am Tag auf deinen Shop geht, ist es ratsam seine Remarketing Zielgruppen danach aufzubauen. Hast du am Tag nur 10 Besucher, wovon 3 Leute auf einer Produktseite landen, wäre es sinnvoll die GÜLTIGKEITSDAUER deiner Zielgruppe vielleicht nicht auf 7 Tage zu stellen, sondern auf 14 Tage.

Definition Gültigkeitsdauer:

Die Gültigkeitsdauer ist der Zeitraum, für den Nutzer in Ihrer Remarketing-Liste bleiben, nachdem sie mit Ihrem Unternehmen interagiert haben

Aber im Zusammenhang hiermit, wäre noch folgendes zu beachten…

2….Der Conversion Zeitraum:

Wie lange dauert es, bis jemand ein Produkt von dir im Shop kauft? Dauert es meistens einen Tag, da du Impulspreise (<20€) im Shop hast? Oder kann es schon mal 1-2 Wochen dauern? Was du nicht willst, ist es deinen Webseitbesuchern auf die Nerven zu gehen und Ihnen über Monate dieselbe Anzeige zu zeigen, oder?

Deshalb ist es ratsam z.B. Zielgruppen mit unterschiedlichen Gültigkeitsdauern aufzubauen und diese dann miteinander zu kombinieren. Mögliche Gültigkeitsdauern könnten: 3 Tage, 7 Tage, 14 Tage, etc. sein.

Nachdem du die jeweiligen Zielgruppen angelegt hast, ist es ratsam für deine Remarketing Kampagne unterschiedliche Anzeigegruppen anzulegen.

Ich teste immer die unterschiedlichen Zeiträume gegeneinander, stelle aber sicher, dass es einzigartige Zielgruppen sind und keine Überlappung stattfindet: Alle, die ganz frisch – innerhalb der letzten drei Tage – auf deiner Seite waren, kommen in die erste Anzeigengruppe. Erstelle dann die zweite Anzeigengruppe mit allen Besuchern, der letzten 7 Tage, aber schließe hier die Zielgruppe der 3 Tage aus.

Vermeide diesen Fehler beim Ausschließen:

Ich habe leider am Anfang auf der Kampagenen-Ebene die unterschiedlichen Zielgruppen ausgeschlossen, was natürlich dazu geführt hat, dass nur eine Zielgruppe funktioniert hat (und zwar die, die keinen Ausschluss hatte). Achte deswegen insbesondere darauf, dass du auf ANZEIGENGRUPPEN-EBENE die unterschiedlichen Zielgruppen ausschließt.

3. Frequency Capping:

Sicherlich kennst du auch diese eine nervtötende Werbung von Wix über YouTube? Diese eine Wix-Werbung, die dich in JEDEM YouTube Video verfolgt und die du nicht ausstellen kannst. Genau diese Werbung verfolgt mich seit ungefähr drei Jahren mit exakt demselben Inhalt. Ich habe mir deswegen vorgenommen, dass ich niemals im Leben eine Wix-Seite erstellen möchte, da mich die Werbung sooo dermaßen genervt hat. Um das zu verhindern, nutze auf jeden Fall das Frequency Capping bei der Erstellung deiner dynamischen Remarketing Kampagnen. So läufst du nicht Gefahr zum nächsten Wix-Spamer zu werden und verschreckst nicht deine Kundschaft.

Wie häufig sollte eine Remarketing Ausspielung sein?

Hier ist meine Empfehlung einfach mal zu testen. Ich würde vorschlagen, dass du am Anfang eher aggressiv auf die ersten 3-5 Tage gehst, und dann langsam weniger Ausspielungen einblendest. Ich bin mit Werten wie 10x pro Anzeigengruppe pro Monat ganz gut gefahren.

4. Kann ich sehen wie häufig ausgespielt wurde?

Klaro! Das ist eine neue Funktion in den Kennzahlen von Google Ads, die ich dir nicht verheimlichen möchte. Die Kennzahl heißt „Durchschn. Impr.-Häufigk. pro Nutzer“ und ist zu finden, wenn du auf dem KAMPAGNENLEVEL deines Displaynetzwerkes die REICHWEITENMESSWERTE einstellst.

Fazit:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dynamische Remarketing Kampagnen besser als statische Anzeigen im E-Commerce Bereich funktionieren. Dennoch sind die Werte nicht mal annähernd so gut, wie bei Dynamischen Produktanzeigen über Facebook/Instagram. Dort erziele ich meistens ROAS Werte zwischen 3x – 10x .

Dennoch sind dyamische Remarketing Kampagnen eine gute Chance um eine persönliche Wiederansprache von vorhandenen Webseitenbesuchern zu gewährleisten.

So, ich hoffe, dass ich dir mit diesem Artikel geholfen habe, viel Spaß beim Einrichten vom dynamischen Produktanzeigen über Google Ads!